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AUCH HOLPRIGE WEGE KÖNNEN ZUM ERFOLG FÜHREN
Vom funktionalen Analphabeten zum Autor, Verleger und Motivator

Bevor er am 1. April 2019, um 19:30 im Familienzentrum Bammental einen autobiografischen Vortrag halten wird, hat Tim Thilo Fellmer uns freundlicherweise einige Fragen beantwortet. In seiner Schulzeit galt Fellmer als „Legastheniker“. Heute kann er auf eine Zeit zurückblicken, in der er mit großer Mühe seine Schwierigkeiten mit der Schriftsprache überwand und zum erfolgreichen Autor und Verleger, sowie zum gefragten Referenten und Motivator im Themenbereich Alphabetisierung und Grundbildung wurde.

Lieber Herr Fellmer, wie sehr beeinflussten bestimmte Erlebnisse mit der Schriftsprache aus Ihrer Kindheit das, was sie heute beruflich tun?

Tim-Thilo Fellmer:
Da meine Schulzeit und mein junges Erwachsenenleben von Leid und Misserfolgen, ausgelöst dadurch, dass ich kaum Lesen und Schreiben konnte, geprägt waren, hatte ich für mich damals als Mitte 20-jähriger nur noch zwei Möglichkeiten: aufgeben oder durch die Zweifel und den Schmerz hindurch nach vorne zu gehen. So entschied ich mich glücklicherweise stetig an mir zu arbeiten, sowohl was meine Schreibkompetenzen als auch meine Talente und Fähigkeiten betrafen. Meine Schwierigkeiten von damals prägen somit bis heute nicht nur meinen beruflichen Werdegang, sondern meine ganze Person.

Sie engagieren sich als „Motivator“ – was genau bedeutet das?

Tim-Thilo Fellmer:
Mit meiner holprigen Bildungsbiographie, die sich im Nachhinein so positiv entwickelt hat, bin ich ein gutes Beispiel dafür, dass man auch später in seinem Leben seinen persönlichen Erfolgsweg gehen kann. Unter anderem davon und von Techniken, die mich so weit gebracht haben, berichte ich in meinen Vorträgen und Lesungen. Somit bin ich nicht nur Motivator für die Zielgruppe, für die Menschen, die nicht gut Lesen und Schreiben gelernt haben, sondern im Grunde für alle Menschen, egal, wo sie persönlich in ihrem Leben stehen. Deshalb freue ich mich auch über Einladungen aus allen Bildungsbereichen und der Wirtschaft.

Die Kinderbücher, die Sie schreiben und verlegen – eignen die sich besonders gut für Kinder mit sogenannter Lese-Rechtschreib-Schwäche?

Tim-Thilo Fellmer:
Auch wenn die beiden Bücher, die ich für Kinder und Jugendliche geschrieben habe, nicht in besonders einfacher Sprache geschrieben sind, wird mir immer wieder von jungen Lesenden, Eltern und Lehrenden die Rückmeldung gegeben, dass auch ungeübte „Leseratten“ einen guten Zugang zu den Texten finden. Ich erkläre mir das so, dass ich einen gewissen „Singsang“ in meiner Schriftsprache habe, die diesen Umstand hervorruft. Oder es ist einfach so, dass sich die jungen Leserinnen und Leser besonders bemühen, weil sie wissen, dass der Autor der Bücher auch Probleme mit dem Lesen hatte.

Was geben Sie besorgten Eltern von Kindern, die sich mit dem Lesen- und Schreibenlernen schwertun, besonders gern mit auf den Weg?

Tim-Thilo Fellmer:
Kinder sind ein Geschenk. Jedes Kind ist einzigartig und ganz besonders in seinem Wesen und seinen Talenten. Dieses Gefühl, dieses Bild von ihren Kindern sollten alle Eltern von Anfang an ihren Sprösslingen mit auf den Weg geben. Insbesondere Eltern von Kindern, die im Schriftspracherwerb nicht so talentiert sind oder auch nur mit den angebotenen schulischen Methoden oder den persönlichen, äußeren Umständen nicht zurechtkommen, sollten fest an ihre Kinder glauben und sie damit stärken. Sie sollten ihren Kindern immer wieder vor Augen halten, dass sie noch so viel mehr sind als nur ihre nicht so ausgeprägten Lese- und Schreibfertigkeiten. Denn sie haben in anderen Bereichen bestimmt viele große Talente und Stärken.

Außerdem möchte ich allen Eltern die beiden kostenlosen Angebote der „LegaKids Stiftung“, von der ich Botschafter bin, mit an die Hand geben. Auf „LegaKids.net“ erhalten Kinder Anregungen und Übungsmöglichkeiten in Form von Online-Lernspielen und vielen Tipps, die ihr Selbstvertrauen und ihre Lernfreude fördern. Eltern, Lehr- und Förderkräfte werden umfassend informiert und finden Rat zur Vorbeugung und Problembewältigung.
Darüber hinaus wendet sich „alphaPROF“, mit seinem Onlinekurs an Lehrkräfte, außerschulische Förderkräfte und an interessierte Eltern und Angehörige. Damit erhalten alle wertvolles, praxisnahes Fachwissen und können so die Kinder besser unterstützen.

Vielen Dank, lieber Herr Fellmer, für dieses persönliche Gespräch, sowie für Ihre Offenheit bei diesem oft eher totgeschwiegenen Thema und Ihr Engagement. Wir freuen uns sehr auf Ihren Besuch im Familienzentrum Bammental und Ihren Vortrag.

Das Gespräch führte Konstanze Keller von LESEWEIS®