Die Geschichte des Hauses in der Hauptstraße 65

Da steht es: Groß, grau-bunt mitten in der Hauptstraße von Bammental, und jede:r weiß, dass es schon lange vor Familienzentrumszeiten da war. Und doch ist es nicht ganz einfach, die Historie unseres schönen Hauses zu rekonstruieren. Geschweige denn alte Fotos des Hauses zu ergattern. Doch haben wir bei unseren Recherchen zum Gebäude in jedem Fall eine Sache herausgefunden, die uns ungemein freut: Das Haus, in dem sich heute unser Familienzentrum befindet, war schon immer ein geselliges Haus; eins, in das Menschen kamen, wenn sie Gemeinschaft suchten, und an das viele sich gern zurückerinnern. 

Dabei ist das Haus nicht ganz so alt, wie es anmutet. Tatsächlich wurde der Ortsteil, den man heute als Ortsmitte bezeichnen würde, erst relativ spät bebaut. Das Wiesengelände gehörte einer Mühle, die erst Anfang des letzten Jahrhunderts ihre hiesigen Grundstücke veräußerte. In diesem Zug entstand 1905 auch das Bammentaler Rathaus.

Bereits 1901 wurde das Haus von Zigarrenfabrikant Wilhelm Sepp erbaut. Von Anfang an wurde es als Speisegaststätte genutzt und erhielt den Namen „Alter Schützenhof“. Obwohl das Haus so groß ist, war es nie Hotel oder bot Fremdenzimmer. Der Stil des Hauses lässt auf eine deutlich frühere Bauzeit schließen, doch traf es etwas altertümelnd mit seinen geschwungenen, spitz zulaufenden Tür- und Fensterbögen, die man heute noch erkennen kann, wohl sehr den Geschmack der damaligen Zeit. Diesem neogotischen (?) Stil war auch der an eine kleine Burg erinnernde Fachwerkturm an der vorderen rechten Hausecke geschuldet, der erst beim Umbau zum heutigen Familienzentrum einerseits aus Kostengründen, andererseits aufgrund von Baufälligkeit weichen musste.

Schreiben wir also auch den Namen „Alter Schützenhof“, den das neu erbaute Gebäude 1902 bereits erhielt, einer gewissen nostalgischen Sehnsucht zu, denn das Haus war damals brandneu und ein Schützenhof hat sich nie darin befunden. Viele Bammentaler Vereine trafen sich seither jedoch regelmäßig im Gasthof. So gründete sich 1922 beispielsweise der Volkschor in diesen Räumen, der zu Beginn das Lied „Es war ein wonniger Frühling“ probte. Die Taubenzüchter erinnern sich, dass man sich samstags regelmäßig im Hinterhof des Hauses traf, um die Vögel von einem Kleinlaster einsammeln zu lassen, der sie von hier zu ihren entfernten Startzielen brachte. Auch der Fußballclub FC Victoria-Bammental hatte hier seine Vereinstreffen. Donnerstags fanden die Spielerversammlungen im Nebenzimmer statt. Und „s’Käschdl“ vom FC hing lange Jahre an der Hausfassade. Nur ausgerechnet ein Schützenverein hat wohl nie im „Alten Schützenhof“ getagt.

Einmal wurden doch im großen Format Menschen im Schützenhof einquartiert. Das war während der Weltwirtschaftskrise 1932/33, als viele Arbeitertrupps durchs Land zogen, die praktisch für Kost und Logis arbeiteten. Einer dieser Bautrupps nächtigte im zum Schlafsaal umfunktionierten Tanzsaal, solange bis die Männer das Bammentaler Freibad fertig gebaut hatten. 

Während des Kriegs muss der Bammentaler Kriegsausrufer ein regelmäßiger Gast im Schützenhof gewesen sein – ein Mann, dem die schwere Aufgabe zufiel, Vermissten- oder Gefallenenmeldungen an die Familien des Orts persönlich zu überbringen. Für diese schweren Gänge trank er sich hier im Gasthof erst einmal Mut an. Nur einmal blieb er wohl sitzen, bis kein Gast außer ihm mehr da war. Und verriet erst dann, dass er diesmal der Gastwirtsfamilie selbst traurige Bote zu bringen hatte.  

Sehr gern hätten wir eine Liste der Namen der Gastwirte von Eröffnung des Hofs (1901/02) bis zur Schließung des letzten Restaurants (1997). Bekannt ist uns nur, dass mindestens in zwei Generationen Familie Reichl den Gasthof mit traditioneller deutscher Küche führte; bis ihn Ioannis und Agapi Georgious im April 1982 mit griechischer Küche übernahmen und bis zur Schließung der Speisegaststätte im April 1997 führten. Nachkommen beider Gastronomiebetreiber haben uns freundlicherweise über diese Zeit erzählt (großen Dank an Lars Reichl und Christos Georgiou!); Speisekarten oder Fotos konnten sie leider keine mehr für uns auftreiben.

Umso farbenfroher sind die Geschichten, die all die ehemaligen Gäste uns aus den Gasthofzeiten erzählten, in den schon 1958 ein Lichtspieltheater im hinteren Teil einzog – wohl in etwa dort, wo heute die Kita ist, liefen wochenends Kinofilme. Im Keller gab es eine viel frequentierte Kegelbahn. Nicht nur der sich regelmäßig hier treffende Damen-Kegelclub schwärmt noch heute von den gemeinsam dort verbrachten Stunden. Familienfeiern, Kindergeburtstage, Jubiläen wurden hier durch alle Jahrzehnte hindurch gefeiert. Sogar am Tag, als das Wembley-Tor fiel, fand hier eine Hochzeit statt, wie sich der Bräutigam erinnert und so für immer eine glückselige mit einer unglückseligen Erinnerung im Alten Schützenhof verbindet. In den 1970er Jahren war Disko angesagt. Und manch einer gesteht heute noch lachend rasche Fluchten, wenn die Alterskontrolle vorbeischaute. Die Jugend der 1980er Jahre erinnert sich detailverliebt an den Tischkicker, den Flipper und vor allem die ersten hier aufgestellten Computer-Spielgeräte von Arcade (für all diese Momentaufnahmen bedankt sich die Autorin des Artikels ganz herzlich bei der Facebook-Gruppe „Alte Bilder von Bammental“ und insbesondere bei Bürgermeister Holger Karl).

Wo wir Geschichten aufgeschnappt haben, waren es schöne Erinnerungen an Feste, Feiern, Vereinsmiteinander, Gesang, Tanz und Spiel. Wohl erst 1981 wurde das Saalgebäude zu reinen Wohnzwecken umfunktioniert. Familie Reichl lebte hier noch bis 2004. 1997 gab Familie Georgious ihr Restaurant in Bammental auf. Damit endete die Ära des Alten Schützenhofs als Gastronomiebetrieb. Nachdem eine zeitlang ein Porzellan und Küchenbedarf-Geschäft im unteren Stockwerk eingezogen war, übernahm schließlich das Familienzentrum im Jahr 2014. Doch das ist eine eigene Geschichte, die wir in einem eigenen Kapitel erzählen werden. 

Bis dahin freuen wir uns riesig über alte Fotos vom und aus dem „Alten Schützenhof“, die wir als Erinnerung an die Geschichte unseres Hauses gern in unser Treppenhaus hängen würden. Und genauso gern hören wir weitere Geschichten und lassen uns korrigieren, denn alle Fakten sind in Gesprächen mit viele Leuten entstanden, aus denen wir ein Gesamtbild rekonstruieren mussten. Da können sich durchaus kleinere Fehler eingeschlichen haben. Bitte schreibt uns doch an info@fz-bammental.de.

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