KiTa-Betreuung im Ausnahmezustand

KiTa-Betreuung im Corona-Ausnahmezustand. Wie geht das?

Das Familienzentrum Bammental und die integrierte KiTa sind derzeit ebenso aus ihrem regulärem Betrieb gerissen wie Kindergärten und Schulen anderenorts und so viele weitere Einrichtungen. Von Anfang der Corona-Krise an war lediglich auch hier in der KiTa nur eine Notbetreuung weniger Kleinkinder erlaubt. Das heißt, betreut wurden ausschließlich die Kinder, deren Eltern beide in den sogenannten „systemrelevanten“ Berufen arbeiteten, und auch derzeit noch ist die Betreuung eingeschränkt auf Kinder, wo es nachweislich keine andere Möglichkeit zur Betreuung gibt. 

Konkret heißt das für die KiTa im Familienzentrum Bammental (Stand: 11. Mai 2020), dass an fünf Tagen ausschließlich vier Erzieherinnen im Haus sind. Und auch die dürfen jeweils nur zu zweit arbeiten. Julia Lämmler und Isabella Löffler betreuen im oberen Stockwerk aktuell nur fünf Kindern, Begaiym Schoch-Omuralieva und Franziska Haaf eine weitere Gruppe im unteren Stockwerk, die sogar aus nur drei Kindern besteht. 

Franziska schildert uns, wie seltsam es doch ist, dass nur so wenige Kinder im ganzen Haus sind. Gewohnt ist die Erzieherin einen viel höheren Geräuschpegel, jetzt, so sagt sie, „ist es manchmal fast gespenstisch still“. Der hübsche Garten der KiTa wird sonst von allen Gruppen immer gemeinsam genutzt, jetzt dürfen die beiden Gruppen, obwohl sie jeweils so klein sind, sich nicht mischen und müssen sich täglich mit dem Draußensein abwechseln. Not macht erfinderisch, was dazu führt, dass die Gruppe, die gerade nicht mit Gartentag dran ist, stattdessen tolle, lange Ausflüge macht. Doch können so kleine Kinder natürlich nicht verstehen, warum sie auf Spielplätzen nicht rutschen oder schaukeln dürfen. Klein wie sie sind, fragen sie nach. Doch wie lässt sich das erklären?

Im Normalfall versuchen zwei Erzieherinnen den Bedürfnissen von zehn Kindern gerecht zu werden, was nicht immer einfach ist. Zur Zeit genießen die Erzieherinnen, dass sie sich viel intensiver um die einzelnen Kindern kümmern können, manchmal sogar im Luxus der 1:1-Betreuung. Ohne Corona nicht denkbar. Seltsam, dass gerade das so bedrohliche Virus auch Momente schafft, von denen man in den Zeiten davor nur träumen konnte. Den Kindern ist anzumerken, wie sehr sie diese intensiven Momente genießen, denn sonst ist es den Erzieherinnen nicht möglich, immer jeden kleinen Menschen, der auf den Arm möchte, gleichzeitig glücklich machen. Jetzt geht das. Und es geht trotz gebotenen Abstands, denn Kindern zwischen 1 und 3 Jahren kann und möchte niemand erklären, dass sie trotz freier Erzieherinnen-Arme, nicht in diese geschlossen oder von diesen hochgehoben werden dürfen. Besondere Hygienemaßnahmen können die Erzieherinnen im Alltag mit den Kindern kaum umsetzen. Die Kleinen benötigen ganz viel Nähe und Körperkontakt, „das fängt bei der Übergabe von Mamas Arm in unseren an und hört beim Einschlafen auf unserem Schoß auf“, so Erzieherin Franziska Haaf. Bis auf häufigeres Händewaschen, auch mit den Kindern, regelmäßiges Lüften und dem Desinfizieren sämtlicher Oberflächen und Gegenstände „sind wir quasi schutzlos“, ergänzt sie.

Trotz allem genießen die vier Erzieherinnen, die die Notbetreuung der KiTa übernommen haben, die Stunden, die sie mit den Kindern hier verbringen. Ein wenig können sie dadurch in eine andere Welt abtauchen und vergessen, was draußen gerade alles so „anders“ als gewohnt vor sich geht. Es ist schön, sich so intensiv um die Kinder zu kümmern, und so etwas wie „ein Kind windelfrei zu bekommen“ gelingt viel schneller als üblich, weil man sich jetzt einfach viel mehr Zeit dafür nehmen kann. Trotzdem betonen die Erzieherinnen, dass sie alle Kinder mit ihren Familien vermissen. 

Die Frauen hangeln sich jetzt von Woche zu Woche und warten auf neue Verordnungen, am liebsten wäre ihnen natürlich die Auskunft, ab wann wieder alles beim Alten sein wird, doch die kann verständlicherweise zur Zeit keiner geben. Nun sind alle hier gespannt, wie es am 18.05.weiter geht und hoffen darauf, ganz schnell wieder mehr Kinder im Haus haben zu dürfen. 

Alle Erzieherinnen der Familienzentrums-KiTa sind derzeit im Einsatz, Kurzarbeit gibt es hier nicht, auch wenn nur vier direkt in der Notbetreuung und mit den Kindern arbeiten. Die anderen haben das Kochen für die Gruppen in der hauseigenen Küche übernommen, sie richten den Spielraum des Familienzentrums schöner her oder halten mit verschiedensten Aktionen den Kontakt zu allen Familien der sonst hier betreuten Kinder. Eine Botschaft haben sie für alle: „Versucht das positive während der ganzen Situation zu sehen: Genießt die Zeit, die ihr jetzt bekommt, um sie zusammen mit euren Kindern zu verbringen. Diese wertvollen Momente kann euch keiner mehr nehmen.“

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